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EMERSON, LAKE & PALMER  — ELP in Japan

ELP in Japan

ELP "BIG IN JAPAN"

Bericht im Musikmagazin SOUNDS vom Februar 1973

von Alexander Frater

über die Japan-Tournee von
Emerson, Lake & Palmer

Konzertstationen:
22. Juli 1972: Kourakuen Stadion, Tokio
24. Juli 1972: Koshien Stadion, Osaka

 

5. und letzter Teil: Mit dem Moog in den U-Boot-Krieg

Geh und zieh dich um, Palmer", sagte Anthony "und sag Greg, er soll anfangen, seine Gitarren zu stimmen. Funktioniert das verdammte Ding jetzt? " fragte er Emerson, der noch über seinen Moog gebeugt arbeitete. "Bisschen besser", sagte Emerson, "aber nicht perfekt. Ein Roadie baut gerade ein kleines Zelt auf, um ihn trocken zu halten."

Vom Regen verwischt: Der ELP-AuftrittIch entschloss mich, vor den Musikern auf die Bühne zu gehen. Als ich aus dem Tunnel in die flutlichtüberströmte Arena trat, wurde ich von einem tiefen erwartungsvollen Röhren begrüßt; sicherlich das erste Mal, dass ein Mitarbeiter unseres Blattes so begrüßt wurde. Mich irritierte es eher. Ich winkte mit hocherhobenem Kugelschreiber und stieg auf die Plattform, wo die Roadies in kurzen schwarzen Kimonos oder Jacken gespannt die Ankunft ihrer Meister erwarteten. Udo war auch da, eine kleine, nasse ängstliche Gestalt, geblendet von den farbigen Scheinwerfern.

 

Wagen im Schlamm

Greg LakeNach einer Weile kam er zu mir rüber und sagte, zitternd vor Ärger und Ermüdung: "Sie kommen zu spät. Sie hätten schon vor vier Minuten hier sein sollen. Die Fernsehleute sind stinkwütend! Warum kommen sie eigentlich nicht? "

Dann änderte sich plötzlich das Geräusch der Menge; diese riesige, laute, anonyme Masse dort oben in der Dunkelheit stieß ein Freudengeheul aus und Vic, der Chefroadie sagte zu seinen Leuten: "Sie kommen, Achtung!" Die Wagen kamen durch den Schlamm herangeplatscht, die Musiker sprangen heraus, verbeugten sich in ihren weißen Kimonos, warfen sie ab und stürzten sich in "Hoedown, ihre Eröffnungsnummer.

Dee Anthony lief unruhig hin und her hinter der unablässig dröhnenden, nervtötenden Soundbarriere, die einen Herzschlag mit der Lautstärke eines Kanonenschusses wiedergab, Er schleppte einen Stapel Handtücher und feuerte seine Leute an. "Go, go, go, go", schrie er; jeden, der abwechselnd für eine kurze Pause und einen Schluck Brandy nach hinten kam, umarmte er, wischte ihm den Regen vom Gesicht und versicherte ihm, er sei das größte Ereignis seit Noah.

Palmer, alter Trottel, kannst du mich hören?

Keith EmersonEr redete pausenlos. "Stell dich weit genug weg vom Mikrofon", sagte er zu Lake "das verdammte Ding ist lebendig und wird dich umbringen und für die erste Seite in der Zeitung sind wir noch nicht fit! Sag jemand Palmer, er kann aufhören, wenn er will. Palmer, alter Trottel, kannst du mich hören? Du kannst fünf Minuten Pause machen, wenn du willst."

Lake ging ans Mikrofon zurück - wohlweislich einigen Abstand haltend und sang "Lucky Man", was bei der Menge einen freudigen Wiedererkennensschrei hervorrief. Anthony sagte zu mir: "Emerson macht sich zuviel Sorgen. Aber der Kerl ist ein Profi. Dieser verdammte Moog ist für so einen U-Boot-Krieg hier nicht gebaut. Man hörts! Aber wenn Emerson einmal loslegt, hält ihn nichts mehr auf. Und wenn er ihm ins Gesicht fliegt, er würde aufstehen und stepptanzen!

Okay, Palmer, du hast dich genug ausgeruht, an die Arbeit, Baby." Palmer stolperte an die Drums zurück und lieferte ein spektakuläres Solo. Die Nässe sprühte nur so von den Becken und der Regen strömte ihm das Gesicht herunter. "Yeah, Yeah, yeah", schrie Anthony begeistert, während Vic, auf dem Wege, einen defekten Lautsprecher in Ordnung zu bringen, im Vorübergehen zu mir sagte: "Das sind die grässlichsten Wetterbedingungen, unter denen ich je gearbeitet habe. Sie können mich ruhig zitieren!"

Bis nach Wladiwostok

Carl PalmerEmerson, Lake und Palmer kamen zum Höhepunkt der Show. In der Schlußnummer "Pictures At An Exhibition", einer freien, durchdringenden Version des Mussorgsky-Klassikers, vom Publikum sehnlichst erwartet, greift Emerson seine Orgel mit Messern an.

Dieses Mal jedoch hatte er noch eine Überraschung auf Lager: Hinter dem Piano zog er ein Samurai-Schwert hervor, und schwang es blitzend und schimmernd über dem Kopf. Das ekstatisch anschwellende Geheul der Masse muss bis Wladiwostok zu hören gewesen sein. Dann hieb er es vehement aber gut gezielt zwischen zwei Tasten, was einen lang anhaltenden Akkord produzierte und begann, die Orgel auf der Bühne umher zu schleudern. Schließlich zog er sie auf sich herunter und simulierte einen Geschlechtsakt.

Das undeutliche, aber wahrnehmbare Gefühl der Entrücktheit

Als die Nummer zu Ende war, ließen die Musiker die Instrumente fallen, sprangen in die bereitstehenden Wagen und verschwanden blitzartig. In der Erkenntnis, dass es vorbei sei und keine Zugabe geben würde, machte sich die Menge ruhig und ordentlich auf den Heimweg.

Auf dem Weg ins Hotel erbrach sich Emerson im Auto. Er übergab sich ein zweites Mal im Hilton, aber es schien niemanden zu überraschen. Er tut das fast nach jeder Vorstellung und jetzt brauchte er einfach Ruhe und Einsamkeit. Nachdem sie geduscht und sich umgezogen hatten, nahmen die Musiker ein spätes Essen ein und bekannten sich zufrieden mit ihrer Vorstellung in Anbetracht der furchtbaren äußeren Umstände.

Zusammen mit Tots Nagashima tauchte Udo am nächsten Morgen auf und berichtete, er habe nur 23.542 Sitze verkauft, tausend seien an die Presse und Geschäftsfreunde gegangen. Todernst fügte er hinzu - so als sei das ein Maßstab für den Erfolg des Konzertes - man habe über zweitausend Telefonanrufe von den Stadionanliegern erhalten, die sich über den Lärm beschwerten. Die Kritiken seien generell gut, man stimme darin überein, dass sich das Konzert gelohnt habe, trotz der Wetterbedingungen, des defekten Moog und einiger spielerischer Ungenauigkeiten, die sich jedoch auf die lange Spielpause zurückführen ließen.

Die Musiker hörten kaum auf ihn. Sie bereiteten sich schon auf den Abflug nach Osaka vor, wo sie ihr zweites, kleineres japanisches Konzert geben sollten. Danach ging es nach San Francisco, wo ein gecharterter Jet darauf wartete, sie kreuz und quer durch die Staaten zu fliegen, wo sie zwanzig Konzerte in fast ebenso vielen Tagen vor sich hatten. Es war nun eine gewisse Gespanntheit um sie herum zu bemerken, das undeutliche, aber wahrnehmbare Gefühl der Entrücktheit von alltäglichen Dingen. Die Tournee hatte begonnen, Nach langer, ermüdender Vorbereitungs- und Wartezeit waren sie wieder einmal dabei, in Schwung zu kommen.
ENDE


Anmerkung des ELP-Webmasters: Das Japan-Abenteuer von Emerson, Lake & Palmer stand wirklich unter keinem guten Stern. Beim darauf folgenden Konzert im Baseballstadion von Osaka rissen die Zuschauer beim Drumsolo von Carl Palmer die Zäune im Stadion nieder, um in den Innenraum zu gelangen. Während Palmer ahnungslose weiterspielte, waren Emerson und Lake unbemerkt in einer Limousine aus dem Stadion geflüchtet. Das Konzert war bald darauf abrupt beendet.

Teil 1: Ein Pornofilm namens Schneewittchen
Teil 2: A-Bad oder B-Bad?
Teil 3: Jesus Christus und die 12 Roadies
Teil 4: Mit Whisky und Schraubenzieher

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